Dienstag, 2. August 2016

Festival der Laute 2016 in Frankfurt am Main



Vom 10. – 12. Juni  veranstaltete die Lautengesellschaft e.V. das Internationale Lautenfestival  2016 in Frankfurt. Möglicherweise wäre dieser Termin im kulturellen Großstadtgedränge unter- und an uns vorbeigegangen wenn, ja wenn Margarete nicht in den vergangenen Jahren in einem Flecken am Rand der oberfränkischen Provinz, in der Werkstatt des Lautenbaumeisters Günter Mark,  Freund- und Bekanntschaften geschlossen hätte.
Aus  diesem Kreis hatten sich zwei Münchner während der Festivalzeit zur Einquartierung in der Werkstatt angesagt und uns mit Terminen für Konzerte und Vorträge versorgt. Wir hörten Sigrun Richter mit Werken aus Renaissance und Barock in der Nicolai- , Antony Bailes spielte Musik aus Salzburg und Wien in der Deutschordenskirche.
In der Schirn am Römer fanden Vorträge, Workshops und die gut besuchte Instrumentenausstellung statt.

Wiedersehen in der Instrumentenausstellung: 
Unsere Kollegen, die Gitarrenbaumeister

Vinzenz Bachmayer,
Michael Sander
und Steffen Milbradt
















Wir hörten einen Vortrag über Johann Christian Gottfried Scheidler, Lautenist und Gitarrist in Frankfurt. Er unterrichtete u.a. Marianne von Willemer und trat mit ihr in Konzerten auf. Das Instrument dieser bedeutenden Frau hatten wir uns in einer Ausstellung  im Goethehaus ansehen können, in der ihr lange unterschätzter Anteil am „West-Östlichen Diwan“  gewürdigt worden war.
Für uns bestand eine Pointe darin, dass unsere Werkstattadresse der Hühnerweg 8 ist und nur ein paar Schritte weiter, am Hühnerweg 78 das Denkmal „Willemer-Häuschen“ liegt, damals das Sommerhaus dieser Familie auf der von Gärten und Wingerten belebten Mainseite. Es braucht nicht viel Phantasie sich vorzustellen, wie an schönen Sommerabenden eine gut gespielte Gitarre dort ihre Zuhörer gefunden hat.




Montag, 21. Dezember 2015

Besonderes aus dem Werkstattleben 2015

Das Jahr ist fast schon wieder vorbei. Einige Momente werden uns in schöner Erinnerung bleiben:



Vor Kurzem hat Margarete eine 10saitige Terzgitarre fertiggestellt – ein seltener Auftrag und deshalb eine spannende Herausforderung. Der Spieler, Dr. Stuehrk, der schon eine 8saitige Terzgitarre von uns spielt, besuchte die Werkstatt, um das neue Instrument in Empfang zu nehmen. Für uns eine schöne Gelegenheit, das Instrument gleich von einem versierten Spieler hören zu können. Es hat uns allen viel Vergnügen bereitet!



 
Ein besonderer Besuch kam im August dieses Jahres: Kevin Loh aus Singapur spielte zunächst mehrere Kindergitarren von uns, dann Konzertgitarren. Wir haben seine Entwicklung über viele Jahre verfolgt. Inzwischen nimmt er an vielen internationalen Gitarrenwettbewerben teil. Persönlich hatten wir ihn und seinen Vater Marcus Loh, der ihn anfangs unterrichtete, bisher nicht kennengelernt. Dieses Jahr hat es endlich geklappt: Auf der Rückreise von einemFestival in Spanien besuchten uns die beiden in der Werkstatt. Kevin hatte Lust, unsere Gitarren auszuprobieren und wir kamen in den Genuss eines wunderschönen Konzertes.



Nicht zum ersten Mal, aber immer wieder gerne waren wir Gast bei den Rotenburger Gitarrentagen. Dieses Gitarrenseminar findet im Landheim Ahausen bei Rotenburg a.d.Wümme statt. Die auf allen Ebenen spürbare besondere Atmosphäre  dieser Veranstaltung ist die seltene Mischung aus konzentrierter Arbeit mit hervorragenden Dozenten in einer freundlich entspannten Grundstimmung und den Aufführungen hochkarätiger Solisten in der schönen, alten Dorfkirche.

In der Ausstellung wurden neben unseren Instrumenten Gitarren aus der Werkstatt von Frank-Peter und Markus Dietrich sowie von Ernie Rissman gezeigt und intensiv probiert.



















Wir wünschen schöne Festtage!












Freitag, 24. April 2015

Zum Tode von Gitarrenbaumeister Gerold Karl Hannabach




Ein strahlendblauer Himmel war der große Rahmen, als am 15 April dieses Jahres der Gitarrenbaumeister Gerold Karl Hannabach auf dem Bubenreuther Waldfriedhof zu Grabe getragen wurde.
Viele Menschen waren dort versammelt. Jeder Platz in der Kapelle war besetzt und bis weit auf den Vorplatz drängten sich Freunde und Bekannte. Die Trauerfeier wurde von Musik begleitet, die auf einem seiner Instrumente gespielt wurde.
In den ausführlichen Nachrufen der Handwerksseite wurde er als überragender Vertreter jener Instrumentenbauer gewürdigt, die nach Krieg und Vertreibung in Westdeutschland wieder an die ehrwürdigen Handwerkstraditionen ihrer böhmischen Heimat anknüpften. Der Gemeindevertreter erinnerte an Hannabachs außerordentlichen Einsatz für öffentliche Belange, an seine Weitsicht und Ausdauer, die ihn mit der Bubenreuther Instrumentenausstellung für immer verbinden.
Wir haben uns an diesem Tag von unserem Lehrmeister und Lebensfreund verabschiedet. Wir haben ihn sehr geliebt und verehrt. Seine Großzügigkeit und Warmherzigkeit, sein umfassendes Wissen, sein Schatz an Geschichten, sein Sinn für Details, sein skurriler Humor werden uns immer im Gedächtnis sein, solange wir denken können.
Er war ein wirklich außergewöhnlicher Instrumentenbauer, der mit seinem Ideenreichtum die Entwicklung der Gitarre in Deutschland vorangetrieben hat und er war ein großartiger Lehrer, stets bereit zu helfen und zu unterstützen; er war penibel, aber kein Pedant. Die Begegnung mit ihm hat unserem Leben eine sehr entscheidende Wendung gegeben.
In all der Trauer gibt es den tröstlichen Aspekt, dass Hannabach nicht nur in seinen Instrumenten weiterlebt, sondern auch in denen seiner Schüler, die er mit seinem Wissen gefördert und mit seiner Arbeit angespornt hat.

Montag, 16. Dezember 2013

Rückwärts nach vorn: Das Münchner Modell der Werkstatt von H. Hauser I


Gelegentlich haben wir in unserem Blog Arbeiten an Instrumenten kommentiert, die ein Stück weit aus der Reparaturroutine herausragen.

Diesmal ist es ein Instrument aus der Werkstatt von H. Hauser I; ein „Münchner Modell“, datiert 1929, mit Schraubhals und Steckerlsteg, Mensur 640 mm.
Der Hals ist locker; er muss neu befestigt und die Spiellage eingestellt werden. Der Boden hat sich ein Stück weit von der Zarge gelöst und wird nachgeleimt, ebenso der Steg. Das Instrument soll wieder in Konzerten mit Programmen aus der Zeit seiner Entstehung gespielt werden.


Es ist ein einfaches Instrument: die Decke (Fichte) durchgehend weitjährig, Zargen – und Bodenholz sind aus schwach geflammtem Ahorn; sie passen nicht besonders zueinander. Es gibt keine Randeinlage zum Boden, die schlichte Rosette besteht aus Einzelspänen.
Was Freude macht, ist die konsequente, durchgehend genaue Arbeit, die das Instrument auszeichnet. Die Kopfplatte, angesetzt mit dem typischen verdeckten Zapfen,

die Genauigkeit der Ausnehmung für den angeschraubten Hals, eine einfache, immer noch präzise Mechanik aus der Lanstorfer-Werkstatt  – alles zeigt den hohen Standard einer Gitarrenbautradition in Deutschland zu einem Zeitpunkt, der auch eine Wende markiert, bei der die Münchner Hauser Werkstatt eine entscheidende Rolle spielt.




Das Schicksal der Gitarre, entweder Bodensatz des Musiklebens zu sein, oder als Fettauge obenauf zu schwimmen, hatte ihr - nach dem Niedergang in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts - am Beginn des 20. einen neuen Aufschwung beschert. Zentrum dieser Bewegung war der süddeutsche Raum, insbesondere München. Hier kreuzen sich die Entwicklungen: Einerseits eine traditionelle Linie, weil es der Gitarristischen Vereinigung gelungen war, viele wertvolle Instrumente aus Wien nach München zu bringen und „sie den Münchner Gitarristen zu vermitteln, so daß sich bald eine ganze Reihe der schönsten, gut erhaltenen alten Gitarren in München befand. Den Instrumentenmachern war hiermit Gelegenheit geboten, ihre Studien an diesen alten Instrumenten zu machen, was auf den Gitarrebau äußerst fördernd wirkte und den Münchner Meistern für die Zukunft eine Vormachtstellung  gab“. (1)
 Es bleibt also festzuhalten, dass der Gitarrentyp, der den Aufschwung der Gitarre im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts begleitet und von München aus Kreise zieht, die evolutionäre Weiterentwicklung und Wiederauferstehung des Instruments als „Münchner Modell“ ist, das in Wien, hundert Jahre zuvor, seine Triumphe in der Musikwelt gefeiert hatte. Auch Richard Jacob „Weissgerber“ in Markneukirchen bewirbt und baut ein „Münchner Modell“ in „allen Details typisch für die 1920 Jahre“. (2)
Mit dem Wiederaufleben des Gitarrespiels in der Breite und damit verbundenen solistischen Ansätzen in Deutschland (3) erwacht auch das Publikumsinteresse neu. Durch Konzertreisen von M. Llobet und A.Segovia wird das Instrument wieder in den Konzertsälen etabliert. Aber sie spielen die spanische Gitarre in der Torresform, die nun Furore macht. Diese Entwicklung wird von allen Werkstätten reflektiert.
Auf dem Boden der in Rede stehenden Hauser I Gitarre ist eine Nummer eingebrannt: DRP 339867. Erteilte Patente können mittlerweile im Archiv des Deutschen Patentamts online recherchiert werden. So war es möglich, sich zu vergewissern, um was es sich bei diesem Patent handelte: Der Schraubhals konnte es nicht sein, vielleicht aber die „Patentbeleistung“ wie sie sich bei Franz Jahnel in einer Zeichnung findet. (4)
 





Tatsächlich wurde H.Hauser am 9.11.1920 das Patent für ein Beleistungssystem zuerkannt. Interessanterweise werden in der zweiseitigen Begründung der Patentansprüche ausführlich akustische Mängel sowohl des Wiener Modells als auch der Spanischen Gitarre aufgezählt und  beschrieben. Dann wird der Anspruch formuliert: „Gegenstand der Erfindung ist eine Gitarre, deren Bauart so beschaffen ist, daß sie alle diese Nachteile restlos und einfach beseitigt.“




Der Aufwand, der mit jeder Patentanmeldung verbunden ist und der hier von einer eher kleinen Werkstatt geleistet werden musste, lässt den Schluss zu, dass mit dieser Vorstellung eines innovativen Schubs, ein in Mitteleuropa weitverbreitetes Gitarrenmodell mit einer langen Geschichte gegen ein „auf den Markt“ drängendes neues Modell noch einmal positioniert werden sollte. Die Geschichte ist darüber hinweggegangen. Aber was hier entschieden hat, ist möglicherweise weniger eine Sache des Instruments gewesen, als der Strahlkraft von Virtuosen wie Pujol, Llobet und Segovia zuzuschreiben(5). Sie spielten allerdings auf Instrumenten, die noch von A.Torres selbst gebaut wurden oder eindeutig auf ihn zurückgingen. So ist die spanische Gitarre zu unserer Konzertgitarre geworden. Einen entscheidenen Beitrag dazu leistete H. Hermann Hauser I, der sich von diesen Instrumenten inspirieren ließ und in den dreißiger Jahren die Gitarre bauen wird, die A. Segovia bis 1970 spielte.

(1) Fritz Bueck, Die Gitarre und ihre Meister, S. 130
(2) Christof Hanusch,  Weissgerber, S.276/277
(3) Karl Huber, Die Wiederbelebung des künstlerischen Gitarrespiels um 1900
(4) Franz Jahnel, Die Gitarre und ihr Bau, S.41
(5) Wolf Moser, Miguel Llobet der stille Weltmeister, Gak, IV/13

Freitag, 22. November 2013

Neues aus Singapur - Abby Loh plays "Hänschen klein"

Vor etlichen Jahren hatte Kevin Loh aus Singapur seine erste (Kinder)gitarre von uns erhalten – er ist auf diesem Instrument auf unserer Webseite zu hören. Kevin wurde größer und mit ihm die Instrumente aus unserer Werkstatt. Als er mit dem Gitarrenspiel anfing, war seine kleine Schwester noch nicht geboren. Hier ist Abby nun mit ihrem großen Bruder zu sehen und zu hören: Sie spielt inzwischen Kevins erste Gitarre.

Dienstag, 19. November 2013

Von Frankfurt nach Frankfurt

Am vergangenen Wochenende haben wir, wie schon vor einem Jahr, an den „Internationalen Gitarrentagen“ in Frankfurt an der Oder teilgenommen. Wir stellten unsere Instrumente aus und hielten einen Vortrag mit Bildern über den Bau einer Meistergitarre.





Die Gitarrentage sind ein Gemeinschaftsprojekt der Musikschulen in Frankfurt an der Oder und im polnischen Slubice auf der anderen Oderseite; Teilnehmer und Dozenten kommen aus Polen und Deutschland. Gut besuchte Konzerte fanden an den Abenden in einem kleinen Theater statt.
Der deutsch-polnische Austausch ist stets präsent, schon ganz praktisch durch die Unterbringung in einem Studentenheim der Europäischen Universität Viadrina in Slubice, ganz fußläufig zur deutschen Musikschule in Frankfurt gelegen. Beim Überqueren der Oderbrücke ist kaum noch vorstellbar, dass hier einmal eine streng bewachte Grenze verlief.






















Es waren interessante Tage in einer besonderen, herzlichen Atmosphäre in unserer Namens-Partnerstadt, die so viel überschaubarer ist als unser Frankfurt am Main – und die an einem Fluss liegt, dessen Ursprünglichkeit uns sehr beeindruckt.
Musikschule Frankfurt an der Oder